Familien- oder Hausandacht am Morgen

Hinweis zur Kurzfassung

Zur entsprechenden Zeit wird zur Andacht zusammengerufen. Ein kurzer Abschnitt wird aus der Heiligen Schrift gelesen. Das Familienoberhaupt oder ein anderes Mitglied der Familie beginnt die Morgen- oder Abendandacht mit der Familie oder anderen Anwesenden. Zu Beginn wird das Vaterunser gebetet, zu dem alle, wenn möglich, knien.

Die Lesungen werden unterbrochen, an Sonntagen und anderen kirchlichen Feiertagen oder Gedenktagen. Gesamte Jahreslesung hier zum Download: http://www.rekd.de/tl_files/rekd/downloads/Lektionar.pdf

Eingangsgebet

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  Amen.


Schriftteil

AT– 3. Mose /Levitikus 2

https://www.bibleserver.com/EU/3.Mose2

Gebet – Psalm 113+114

https://www.bibleserver.com/EU/Psalm113

NT – Markus 4,21-34

https://www.bibleserver.com/EU/Markus4%2C21-34

Homilie /Anstöße zu den Lesungen

AT – Levitikus 2  –  Das Speisopfer

Bereits in der Erzählung von Kain und Abel wurde deutlich, dass Gott ein Brandopfer (tierisch) einem Speisopfer (pflanzlich) vorzieht. Daher ist auch in der levitischen Aufzählung das Speisopfer dem Brandopfer nachgeordnet. Dennoch nimmt Gott das Opfer wohlwollend an, sofern es frei von Sauerteig und Honig, dafür aber mit Salz versetzt ist. Was auf den ersten Blick willkürlich wirken mag, hat in Wahrheit einen tieferen Sinn. Sauerteig ist ein Zersetzungsprodukt, auch Honig kann eine Gärung erzeugen. Salz hingegen hat eine konservierende Wirkung. Deshalb haben erstere auf dem Altar Gottes keinen Platz, letzteres aber ist erwünscht.

Diese symbolische Bedeutung können wir Christen jenseits der Opferpraxis übernehmen. Aus der Sphäre des Heiligen ist alles, was Zersetzung oder Fäulnis mit sich bringt, fernzuhalten. Stattdessen sollten wir uns im Prozess der Heiligung stets an dem orientieren, was Bestand hat und uns stabil in Gottes Gegenwart hält.


NT – Markus 4,21-34 – Das Gleichnis vom Wachsen der Saat

Immer wieder vergleicht unser Herr das Gottesreich mit einem Samen, der in die Erde gepflanzt ist. Nichts kann sich aus ihm entwickeln, was nicht bereits in ihm angelegt wäre. Wir dürfen und sollen diese Saat in ihrer Entwicklung pflegen und begleiten. Aber der Griff zur Sichel steht uns nicht zu.

„Die Zeiten ändern sich, also muss sich auch die Kirche ändern“, lautet eine immer wieder zu hörende Forderung. Aber es ist uns nicht gestattet, der kirchlichen Lehre äußere Gewalt anzutun. Wohl darf sie sich entwickeln, die Kirche darf und soll in ihrer Erkenntnis wachsen. Aber dieses Wachstum muss organisch sein, eine natürliche Entwicklung aus sich selbst heraus. Kritiker wenden oft ein, dass etwa die Trinitätslehre eine menschliche Erfindung darstelle, da sie nicht im Neuen Testament enthalten sei, und die Ausformulierung dieser Lehre, wie sie auf den ökumenischen Konzilen beschlossen wurde, sucht man im Neuen Testament tatsächlich vergebens. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht darin enthalten ist. Das Neue Testament ist in erster Linie Zeugnis, Zeugnis der Offenbarung. Es enthält zwar Ansätze theologischer Reflexion, aber keine theologischen Lehrsysteme. Die Trinitätslehre stellt somit eine spätere Entwicklung dar, aber sie ist die gesunde und folgerichtige Entwicklung der neutestamentlichen Zeugnisse. Was dort über den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist unter dem Eindruck unmittelbarer Offenbarung gesagt ist, lässt sich nur so verstehen, wie es die Väter formuliert haben. Für diese Entwicklung dürfen wir dankbar sein. Willkürliche Veränderungen der kirchlichen Lehre nach eigenem Gutdünken gilt es hingegen zu bekämpfen.

Abschlussgebet

Gebet um Gnade

Herr, unser Gott, allmächtiger und ewiger Vater. Du hast uns sicher den Anfang dieses Tages erleben lassen. Beschütze uns heute mit Deiner mächtigen Kraft und gib, dass wir in keine Sünde fallen, noch in irgendeine Gefahr geraten, sondern dass all unser Verhalten unter Deiner Leitung steht und Dir wohl gefällt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn.  Amen.

An dieser Stelle kann jedes andere Gebet gesprochen werden. Hier können persönliche Gebete folgen, danach folgt der Segen.

Segen – 2. Kor 13,13

Alle sprechen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.