Familien- oder Hausandacht – Morgen und Abend

Hinweis zur Kurzfassung – Das Allgemeine Gebetbuch – deutsch

Zur entsprechenden Zeit wird zur Andacht zusammengerufen. Ein kurzer Abschnitt wird aus der Heiligen Schrift gelesen. Nachfolgend eine Kurzauslegung zur Unterstützung der häuslichen Andacht und Pflege des geistlichen Lebens nach anglikanischer Tradition.

Die Gesamte Jahreslesung hier zum Downloadhttp://www.rekd.de/tl_files/rekd/downloads/Lektionar.pdf

Einladung zu intensiven Studien am St. Benedikt Seminar:

Nächstes Online-Seminar-Wochenende am 15.-17. Januar: https://benediktseminar.org/


Eingangsgebet

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  Amen.

GebetPsalm 141 (klicken)

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Schriftteil und Anstöße zur Lesung

Lesung: 2. Samuel 18 (klicken)

Guter Bote, gute Nachricht? Oder erfüllte Gerichtsbotschaft?

Die durch Absaloms Berater Huschai (in Jerusalem) gewonnene Zeit – zur Sammlung und Aufstellung der Soldaten Davids jenseits des Jordans – von nur einem Tag, reichte aus, um eine schlagkräftige Truppe mit drei Heereshaufen aufzustellen und gegen Absalom und dessen Heer kämpfen zu können. Als die Heere aufeinandertreffen, kommt in der Waldschlacht Absalom im Dickicht des Waldes jämmerlich um. Sein von allen bewundertes langes, lockiges Haar hatte sich an den Eichen-Ästen so verfangen, dass er zwischen Himmel und Erde hängen blieb, sein Maultier entkam, und er dabei von Davids Heerführer Joab und dessen Knappen erschlagen wurde.

Bei unserer heutigen Betrachtung erkennen wir zwei Themen, die auf Aussagen Gottes beruhen.

1. Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass du lange lebst im Lande. Absaloms Plan war es, seinen Vater zu töten. Dieser Plan wurde vom Himmel durchkreuzt, und er wurde zwischen Himmel und Erde hängend getötet. Auf Verunehrung des Vaters folgt die Antwort Gottes eines kurzen Lebens. Hatte Absalom dieses Ende nicht schon vorgeahnt? Denn er hatte bereits vorausplanend zu Lebzeiten sein eigenen Denkmal erschaffen (V 18). Wahrscheinlich waren seine eigenen drei Söhne bereits verstorben. Seine Dynastie hatte keinen Fortbestand. Wir lernen von diesem tragischen Leben dies. Wer im Leben zuerst nach seinem eigenen Reich und der Aufrichtung seines eigenen Denkmahls trachtet (vergl. Mt. 6,33), über dessen Leben wird, wie hier verdeutlicht, nur ein großer Steinhaufen am Ende aufgehäuft werden und übrigbleiben. Damit wird ausgesagt, dass Absalom den Tod eines Verbrechers gestorben ist. (vergl. Jos 7,26; 8,29)

2. Weiter trifft an dieser Stelle die Aussage Gottes durch den Propheten Nathan auch als Gericht über David ein. Weil David den Uria, den Mann seiner jetzigen Frau Bathseba, hatte umbringen lassen, deshalb erfüllt sich erst nach vielen Jahren das Wort Nathans: So soll von deinem Haus das Schwert nimmermehr lassen (2Sam 12,10).

Gute Botschaft, schlechte Botschaft? Joab wusste um die Bedeutung der Botschaft, die er David senden wollte. Jede äußere Form bestimmt auch den Inhalt einer Botschaft. (Z.B. unterstützt oder zerstört auch eine Predigt- oder Gottesdienstform den wichtigen Inhalt, der verstanden werden soll). Würden jetzt mehrere Läufer geschickt, würde es aussehen als würden diese vom Kampffeld fliehen. Würde jedoch ein dunkelhäutiger Läufer ankommen, würde man eine dunkle Botschaft vermuten. Deshalb wollte Joab sicherlich nicht Ahimaaz, den hellhäutigen Priestersohn, sondern den dunkelhäutigen Äthiopier mit der für David schlechten Nachricht schicken. Wir merken, als David einen Läufer nach dem anderen erkennt, dass er von beiden eine gute Nachricht aus seiner Sicht erwartete. Dies war jedoch falsch. Es war zwar für Joab, für das Land und das Volk Israel eine gute Nachricht, dass Absalom tot sei und das priesterliche Königreich weiter besteht, aber für David war es die Todesnachricht über seinen empörenden, aber emotional geliebten Sohn. David versuchte anfänglich aus der äußeren Form der Botschafter eine gute Nachricht herauszulesen. Doch dem war nicht so.

Auch wir müssen achtsam sein, dass uns nicht Die Welt des positiven Denkens (wie z. B. Dale Carnegie, Robert Schuller, etc., lehren) bestimmt, sondern die Gerechtigkeit Gottes und sein Heil uns leitet. Denn von hier aus können wir unsere Situation und die unsere Welt recht interpretieren. Ansonsten stehen wir in der Gefahr, die Realität unseres Lebens zu bunt zu malen, obwohl sie äußerst schwarz ist. Doch die Gute Botschaft lautet bereits im Alten Testament so, wie sie immer an einem anglikanischen Apostel-Gedenktag angekündigt wird: Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König. (Jes 52,7-10).


Lesung – Lukas 23,26-43(klicken)

Das Kreuz nachtragen oder am Kreuz hängen

Das Bild des Simon von Kyrene lässt in uns an Jesu Ermahnung erinnern, dass wir sein Kreuz auf uns nehmen und als unser eigenes Kreuz Jesus nachtragen sollen. Jesus sorgt sich hier trotz eigener Not um die klagenden Frauen Jerusalems. Er gibt durch das schwer zu verstehende Sprichwort zu bedenken, wie sein junges Leben jetzt durch den baldigen Tod bedroht ist, er weist darauf hin, dass auch das alte Jerusalem in Zukunft von Zerstörung und Auslöschung bedroht sein wird (V 31).

Das Bild, das zwei zur Rechten und Linken des Herrn hängenden Menschen zeigt, ist ein Abbild, das der gesamten Menschheit gilt. Die Botschaft ist, dass der Erlöser in der Mitte hängt und die Erlösung der Menschheit um ihn herum anbietet. Erkennen diese Ihn, und nehmen sie diese Botschaft an? Die Soldaten verspotten ihn am Kreuz, der eine, bald sterbende Übeltäter, stimmt mit in die Verspottung ein. Diese alle entscheiden sich gegen Jesus und seine Erlösung, ohne Hoffnung auf ein endzeitliches Paradies. Doch der andere Verbrecher, der weist seinen Kameraden offen zurecht, und er beschreibt sein Erlösungsbedürftigkeit so: Wir sind zurecht verurteilt für unsere Taten und schuldig. Er bekennt sich selbst als schuldig, Christus dagegen als den Unschuldigen. Und dann bittet er (unterwürfig: gedenke an mich Herr …), dass er doch Anteil am Paradies des Reiches Gottes erhält. Diese Entscheidung und Bitte nimmt Jesus dort am Kreuz an und besiegelt sie mit seiner Zusage.

Alle Menschen stehen mit Geburt und Eintreten in die Welt vor der Entscheidung wie diese beiden Männer: Entweder Jesus abzulehnen und zu verspotten oder ihre eigene Schuldhaftigkeit anzuerkennen. Wenn sie aber Jesus annehmen und ihn um den Miteintritt in das himmlische Paradies bitten, dann beginnt die Aufnahme ins Paradies. Mit welchem der beiden identifizierst du dich? Was war oder ist deine Entscheidung?

Abschlussgebet

An dieser Stelle kann jedes andere Gebet gesprochen werden. Hier können persönliche Gebete folgen, danach folgt der Segen.

Morgendliches Gebet um Gnade

Herr, unser Gott, allmächtiger und ewiger Vater. Du hast uns sicher den Anfang dieses Tages erleben lassen. Beschütze uns heute mit Deiner mächtigen Kraft und gib, dass wir in keine Sünde fallen, noch in irgendeine Gefahr geraten, sondern dass all’ unser Verhalten unter Deiner Leitung steht und Dir wohl gefällt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Oder

Abendliches Gebet um Frieden

O Gott, von Dir kommt alles heilige Verlangen, jeder gute Rat und jede gerechte Tat. Gib uns, Deinen Dienern, den Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen willig sind, Deinen Geboten zu folgen. Befreie uns von der Furcht vor unseren Feinden, damit wir unsere Tage in Ruhe und Frieden verleben können. Durch die Verdienste unseres Heilandes Jesus Christus. Amen.

Segen – 2. Kor 13,13

Alle sprechen:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.