3. Sonntag vor der Fastenzeit – Septuagesimae

 Thema: Lohn und Gnade

Liturgische Farbe: grün

Wochenspruch:

„Nicht im Vertrauen auf unsere guten Taten legen wir dir unsere Bitten vor, sondern im Vertrauen auf dein großes Erbarmen.“ (Dan 9,18b)

Tagesgebet:

O Herr. Wir bitten Dich: Erhöre wohlwollend die Gebete Deines Volkes, damit wir, die wir zu Recht für unsere Missetaten bestraft werden, durch Deine Güte und Barmherzigkeit davon befreit werden um der Ehre Deines Namens willen. Durch Jesus Christus, unseren Erlöser, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und regiert, jetzt und allezeit und in Ewigkeit.  Amen.

Lesungen:

Altes Testament: Jer 9,22-23 – Predigt heute zum AT Text unten oder Download

Psalm: 31,20-25; Epistel: 1 Kor 9,24-27; Evangelium: Mt 20,1-16



Unser wichtigster Ruhm im Leben Jer 9,22-23

Einleitung: Sportschau: Innsbruck, Willingen, Nordisches Springen. Wer steht oen auf dem Podest und wird berühmt?

Das Problem in unserem Text: Israel mangelt es nicht beim Einhalten äußerlicher Riten, sondern an innerer Hingabe an Gott.

Der Prophet Jeremia spricht immer wieder das Wort des Herrn aus, das an ihn erging. In diesem Abschnitt unserer AT Lesung werden wir später auf die wichtigen Verse 22 und 23 eingehen. Das dritte Herrenwort Jeremias, das sie Kapitel 7-10 betrifft, ist an ganz Juda gerichtet. Jeremia sagt ihnen: Es nützt nichts den Tempel – oder sagen wir die Kirche – mit ihren äußerlichen Formen und Schönheiten immer wieder zu betonen und sich darauf zu stützen, wenn euer Leben nichts mit der Bedeutung und dem inneren Leben des Gotteshauses zu tun hat, wenn euer Leben nichts von dem widerspiegelt. Wenn das so ist, dann sind alle eure Anstrengungen und Opfer um die Anbetungsstätte Gottes wertlos und sinnlos.

Jeremia macht deutlich, dass das Volk unverbesserlich ist, dass sie die Gebote, die Weisung Gottes, verlassen haben. Im Alltag verstoßen sie gegen das erst und das zweite Gebot, sie brechen das siebte, die Ehe, verstoßen gegen das 8. Lügen; das 9. und raffen unrechtmäßig kleine und große Reichtümer an sich. Es geht ihnen nur um ihren Gewinn und ihre Befriedigung. Besonders vergiften sie durch Lug und Trug in diesem Zusammenhang ihre gesamten zwischenmenschlichen Beziehungen. Ihre Zunge ist wie ein Bogen, mit dem sie wegen dieser Übertretungen ihre Lügenpfeile auf nahestehende und entferntere Menschen der göttlichen Bundesgemeinschaft schießen. Deshalb entsteht ein verheerender Brand, Beziehungen werden zerstört und Vertrauen untereinander gibt es nicht mehr. Die Gemeinschaft ist zerstört und am Ende auch die Natur, die Landschaft, die Landwirtschaft und die Gesamt-Wirtschaft. Die allgemeine Verlogenheit der Gesellschaft setzt alles Brand. So, wie später der Apostel Jakobus sagt: Die Zunge ist ein unruhiges Übel, sie ist entzündet aus der Hölle und setzt die ganze Welt in Brand. Damals war es nicht eine Person, sondern alle twitterten täglich ihre Lügen. Wenn in V. 3 steht: Ein Bruder überlistet den anderen, dann ist dies auch eine offensichtliche Anspielung auf Jakob. Er der Fersenhalter, der Listige und Betrüger, hatte mit seiner Mutter Rebekka den Vater Isaak und Esau betrogen und jahrzehntelang riesiges Unheil und Herzeleid über die Familienbeziehungen gebracht. Erst nach Gottes Züchtigung und Jakobs Ringen mit dem Engel Gottes und der damit einhergehenden Herzenserneuerung mit neuem Namen geht eine vollkommene Veränderung in seinem Leben vor sich. Erst mit der Herzensveränderung kommt auch Segen, bei Jakob, aber auch bei uns.

Folgt denn hier der Stamm Judas immer noch in den Fußstapfen des unbekehrten Stammvaters Jakob als Betrüger – oder ist dies Volk mit Namen Israel hier schon Gottesstreiter?

Jeremia möchte damals aus dieser schwierigen Situation der Verkündigung entfliehen, aber Gott setzt ihn als Schmied und Schmelzer ein, der dem Volk das Gericht als Läuterung durch große kommende Not und Tod vor Augen halten soll.

Jeremia macht hier also deutlich, dass die Zeit kommen wird, dass keine bezahlten Klageweiber für die Toten mehr bestellt werden können, sondern dass alle Frauen sich über den Tod ihrer Männer und ihrer Kinder grämen und sie beweinen müssen. Selbst die Töchter der nachfolgenden Generation sollen von den Müttern noch Klagegesang lernen. Die ganze Stadt Zion und das ganze Umland wird nämlich vom Tod durch ein Massaker durch Babylon betroffen sein. Das ist die Strafe eines sonst so barmherzigen Gottes.

Nun aber wird dem Volk und damit auch uns die Frage gestellt, ob wir weise und kluge Menschen sind (V 11 + 12) und in V 22+23 die rechte Antwort gegeben.

Wer ist nun weise, dass er dies verstünde, und zu wem spricht des HERRN Mund, dass er verkündete, warum das Land verdirbt und öde wird wie eine Wüste, die niemand durchwandert? 12 Und der HERR sprach: Weil sie mein Gesetz verlassen, das ich ihnen vorgelegt habe, und meinen Worten nicht gehorchen, auch nicht danach leben.

Das hier ist der unrühmliche Ruhm des Volkes Gottes, dass sie weder zu Gott gehören noch nach seinem Willen leben!

Sie rühmen sich jedoch, weise, stark und reich zu sein. Das waren auch die Könige Salomo und Jehojakim, die sich rühmten und mit Stärke und Reichtum schmückten, aber von Gott abfielen. Doch gab es auch wenige Könige wie Josia, 2Kö 22,1ff, der von Kindheit an im Gesetz des Herrn erzogen und für den es sehr wichtig war, den Herrn zu suchen und zu erkennen.

Was ist denn die einzige Weisheit, der man sich rühmen kann? Doch Gott persönlich kennenzulernen. Das allein ist Leben, und das allein ist auch das ewige Leben. So beten wir auch in unserem Gebetbuch. „Dich zu kennen ist das Leben!“

Weisheit und Klugheit liegt nicht in übermäßiger Intelligenz, nicht in griechischer oder moderner Philosophie, auch nicht bei Google oder Amazon durch Alexa, die uns in Sekundenschnelle fast alle Antworten der Welt für unser kurzes Leben geben können. Doch diese die Weisheit der Weisen und Klugheit der Klugen wird vergehen. Keine Wissenschaft kann uns in den Himmel bringen. Aber Jesus Christus ist uns zur Weisheit und zur Erkenntnis, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung gemacht.

Und so begründet dies auch der letzte Vers in 1. Kor 1, 31: Damit wie geschrieben wird in Jeremia 9,22+23. Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn.

Wo und wie beginnt denn die Erkenntnis Gottes? Nicht in äußerem Gottesdienstbesuch und feinem liturgischen Singen oder wiederholten Anbetungsliedern. Die Erkenntnis Gottes kommt nicht aus eigner Anstrengung, nicht aus dem, was ich weiß, besitze oder kann. Das können auch alle Völker ringsherum. Und die sind alle auch noch äußerlich beschnitten. Gerade denen fehlt die innere Beschneidung und die fehlt Israel besonders. Sie sind nicht besser und stehen mit ihnen unter dem Gerichtsurteil Gottes. Doch Gott allein schenkt seinem Volk die innerliche Beschneidung durch seine Gnade. Es ist die Berührung des Ewigen durch Liebe, Recht und Gerechtigkeit.

Dies treue Bundesliebe streckt sich nach allen Menschen aus, die sie bedürfen. Sie ist unendlich und Herzensverwandelnd. Bist du in Not und ihrer bedürftig? Das Recht Gottes betrifft alle Gebiete des Lebens. Dabei geht es um ehrenwerte Beziehungen bei jedem Geschäft und jeder Unternehmung. Bestimmt dieses Recht deine Lebensbeziehungen? Gerechtigkeit ist der innere Zustand von Unbestechlichkeit und Aufrichtigkeit, der durch richtiges Handeln entsteht. Bist du innerlich aufrichtig und wahrhaftig bei allen Handlungen.

Weil diese Gotteserkenntnis mit den Eigenschaften Liebe, Recht und Gerechtigkeit von Gott kommt, auch dein Inneres verändert, beschneidet, bist auch du verpflichtet diese Eigenschaften im Leben zu zeigen und umzusetzen.

Unser wichtigster Ruhm im Leben ist der,

mit Gott verbunden zu sein und aus dieser Verbindung zu leben.